Venedig von innen
Geheimtipps für Venedig-Kenner
Als wiederkehrender Gast reizt dich wahrscheinlich das Ungewöhnliche und Unentdeckte.
Wir gehen jetzt einen Schritt weiter und entdecken Venedigs verborgene Ecken, kuriose Legenden und echtes lokales Flair.
Falls du unsere Empfehlungen aus den vorherigen Abschnitten noch nicht kennst, kannst du sie jederzeit nachholen.
Erlebe das lokale Flair
Nach all den Sehenswürdigkeiten (und einer noch längeren Liste), lohnt es sich, kurz innezuhalten und die lokale Atmosphäre aufzusaugen.
Das gelingt am besten auf den belebten Plätzen von Venedig – den sogenannten Campi. Ursprünglich waren sie grasbewachsene Weiden für Tiere und Gemüseanbau, heute sind sie gepflasterte Treffpunkte voller Charme.
Venedig hat Dutzende Campi sowie kleinere Campielli. Sie wirken wie Filmszenen: Kinder spielen, Einheimische entspannen, Freunde plaudern und Spritz werden an sonnenverwöhnten Cafés rund um die Plätze genossen.
Hier stellen wir drei unserer liebsten Campi vor, schön verteilt über die ganze Stadt:
Eine weitere malerische Ecke mit venezianischem Flair ist die südliche Uferpromenade von Dorsoduro, die als Zattere bekannt ist.
Vor allem an sonnigen Nachmittagen schlendern die Einheimischen die knapp 2 km lange Strecke entlang, tauschen Neuigkeiten aus, plaudern und genießen ein Eis.
Am Abend lohnt sich ein Platz am Wasser für einen Aperitif und einen traumhaften Sonnenuntergang.
Besuche den Ursprungsort des Begriffs 'Ghetto'
Ein besonderes Campo in Venedig ist das ehemalige Jüdische Ghetto – der Ort, dem das Wort „Ghetto“ entsprang.
Der Begriff leitet sich vermutlich von „geto“ oder „giotto“ ab, was sich auf eine nahegelegene Gießerei bezieht, in der einst Kanonen gegossen wurden.
Dieser Platz hat eine außergewöhnliche historische Bedeutung: Ab dem 16.
Jahrhundert verlangte Venedig, dass Juden dort wohnen – das erste staatlich zugewiesene jüdische Viertel Europas.
Die Bewohner durften das Ghetto nur zwischen Sonnenaufgang und -untergang verlassen; nachts wurden die beiden Zugangsbrücken geschlossen und bewacht.
Heute kannst du durch das einst beengte, dichte Viertel schlendern, echte koschere Läden entdecken und zwei bemerkenswerte Synagogen besuchen – versteckt und doch im Herzen des Ghettos.
Erleben Sie Da Vincis Erfindungen hautnah
Gleich zwei Ausstellungen in Venedig feiern das schöpferische Genie Leonardos.
Besucher können hier seine mechanischen Erfindungen ausprobieren, detailgetreue Nachbildungen bahnbrechender Projekte entdecken und sein breites Schaffen von Technik bis Kunst erleben.
Das Da Vinci Interaktives Museum bietet ein modernes, kuratiertes Museumserlebnis inklusive digitalisierter Gemälde.
Die Ausstellung in der Kirche San Barnaba – bekannt aus Indiana Jones und der letzte Kreuzzug – ist offener, praktisch orientiert und voller faszinierender mechanischer Geräte.
Entdecke weitere Inseln
Wahrscheinlich hast du das berühmte Inseltrio in der nördlichen Lagune – Murano, Burano und Torcello – schon besucht, also ist jetzt der perfekte Moment, einige der weniger bekannten, aber ebenso faszinierenden Inseln zu erkunden.
Ein toller Startpunkt ist Giudecca, direkt gegenüber von Zattere.
Während der Westen eher Wohngebiet und optisch unscheinbar ist (das neogotische Molino Stucky lohnt sich aber aus der Nähe), begeistert der Osten mit malerischen Szenen. Hier findest du spannende Sehenswürdigkeiten wie die Kirche Il Redentore – dahinter einen ruhigen Garten für eine kleine Pause.
Ein entspannter Spaziergang entlang der Uferpromenade der Giudecca eröffnet dir einen erfrischend neuen Blick: das bekannte Venedig aus einer anderen Perspektive.
Wusstest du übrigens, dass es in Venedig sogar einen Strand gibt? Die meisten Besucher wissen das nicht.
Wenn du also Lust auf Meer und Sand hast, steig am Markusplatz in ein Vaporetto – nur 15 Minuten und du bist am Venedig Lido di Venezia. Nach einem gemütlichen Zehn-Minuten-Spaziergang kannst du die Schuhe ausziehen und die Füße in die Adria strecken. Das Lido bietet lange, offene Sandstrände – ideal zum Entspannen. Oder du mietest dir ein Fahrrad und radelst entspannt entlang der breiten, ruhigen Küste.
Kuriositäten entdecken
Venedig steckt voller versteckter Winkel, jeder mit seiner eigenen Geschichte – doch nicht alle gelten als klassische Sehenswürdigkeiten.
Manche verbergen sich hinter Aberglauben und Legenden: Die Ancorette sollen Glück bringen, wenn man sie berührt – auch wenn ihre Vergangenheit düster ist. Oder die rote Marmorplatte im Sotoportego di Corte Nova: ein Durchgang mit dunklem Holz und vergoldeter Kassettendecke, der einst als Votivkapelle diente. Der Legende nach wurde hier die Pest gestoppt – heute allerdings bringt es Unglück, auf sie zu treten.
Kann man sich wirklich im Labyrinth der Gassen rund um San Marco verlaufen? Angesichts der Menschenmassen scheint es unmöglich – doch ein paar ungewollte Abzweigungen, und plötzlich steht man in einem stillen, abgeschiedenen Innenhof fern vom Touristentrubel. Manche dieser verborgenen Ecken fühlen sich wie ganz persönliche Entdeckungen an; vielleicht ist Corte Morosina der malerischste.
Dann sind da noch die Brücken, jede mit ihrer eigenen Geschichte. Zum Beispiel die Ponte dei Tre Archi, die einzige Brücke mit drei Bögen. Oder Ponte Chiodo, eine der letzten ohne Geländer.
Auf manchen Brücken wurden früher erbitterte Rivalenkämpfe ausgetragen – etwa auf der Ponte Santa Fosca und der treffend benannten Ponte dei Pugni.
In den eingelassenen Steintreten kann man noch stehen wie einst die Kämpfer.
Die Reise endet nie
Ganz ehrlich: Es ist kaum möglich, irgendwann zu sagen, man habe alles gesehen – Venedig ist wie geschaffen fürs Erkunden, unerschöpflich reich an Schichten und Überraschungen. Wir freuen uns auf die Entdeckungen, die Sie auf eigene Faust machen werden!
Zum Abschluss dieser vierten und letzten Ebene von Venedig Enthüllt möchten wir Sie ermutigen, die Stadt weiter in Ihrem eigenen Tempo zu erkunden – und hoffen, dass unser Guide Ihnen alles an die Hand gegeben hat, um sich in Venedig sicher zurechtzufinden.
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